Themenabend

„Music City Sevilla”

von Yacin Herhrlein und Wolfgang Groh-Bourgett
Deutschland/Spanien
42 Minuten, Arte

Sevilla – Stadt des Stierkampfes und Stadt des Flamencos, Heimat der Carmen. Die andalusische Metropole von maurischem Erbe ist geprägt von unterschiedlichsteten Traditionen, die in ihre Musik einflossen und zu einem gemeinsamen Ausdruck fanden. Der Film folgt Sevillas musikalischen Spuren. Sevillas Angebot an klassischer Musik ist breit, aber natürlich liegt der Flamenco besonders nah am Puls der Stadt. Und die Gitarre ist das Instrument, das ihn schlagen lässt.

Der charismatische Sänger Jesús Heredia, hat sein Leben dem Flamenco verschrieben. Sein Konzert im berühmten Flamenco-Club, der „Pena Tore de la Macarena“, ist ein musikalischer Höhepunkt des Films. Flamenco, erklärt Jesus, ist für ihn wie Stierkampf. Der Gesang muss seine Wirkung langsam entfalten, wie die vollendete Bewegung eines Toreros. Flamenco verheißt Schmerz und Erlösung zugleich. Und damit ähnelt er den heiligen Madonnenfiguren die in der heiligen Karwoche, der Semana Santa, durch die engen Gassen getragen werden. Zu diesen höchsten Feiertagen strömt ein Millionenpublikum durch die engen Gassen Sevillas. Den Madonnen wird im Gesang gehuldigt. Der Film präsentiert die Prozessionen in einer packenden atmosphärischen Dichte.

Es heißt, jeder Sevillaner habe eine Gitarre im Haus, doch nicht nur für den Flamenco. María Esther Guzmán, Spaniens berühmteste klassische Gitarristin, stand schon mit vier Jahren auf der Bühne. Heute gibt sie Konzerte in der ganzen Welt. Ihr Lieblingskomponist ist Isaac Albéniz. Marie Esther übernimmt die musikalische Stadtführung mit ihrer Gitarre.

Das „Teatro de la Maestranza“ steht nicht nur geographisch sondern auch kulturell im Mittelpunkt Sevillas. Das  Opern- und  Konzerthaus ist Heimat der Sevillaner Sinfoniker, eines der ganz groĂźen Orchester Spaniens.  Der Film begleitet das international besetzte Ensemble bei den Proben zu dem Klavierkonzert Nr. 2  von Chopin. Solist ist der amerikanische Pianist Garrick Ohlsson. Wie fast immer ist das Teatro de la Maestranza bei der AuffĂĽhrung der SinfĂłnica ausverkauft, die Sevillaner sind ein begeistertes Musik-Publikum. Ein Streichquintett, aus dem Sinfonieorchester hervorging, sammelte in Spanien schon viel Anerkennung und Auszeichnungen. Das „Dante-Quintett“ interpretiert ein StĂĽck des zeitgenössischen spanischen Komponisten Manuel Castillo.

Traditionen unterschiedlichster Kulturen haben sich in Sevilla miteinander verbunden und sind noch heute lebendig. Das zeigt sich an vielen Musikern, die vertraute Themen aufgreifen und neu interpretieren. Das arabische Trio Samarcanda lässt die maurische Kultur fortleben, Raimundo Amador und Esperanza Fernández variieren mit dem Nuevo Flamenco Sevillas ureigenste Musik neu. Sie ist Ausdruck einer einzigartigen Stadt, die sich ebenfalls von innen heraus erneuert ohne ihre Traditionen zu verlieren.


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